Mittwoch, 27. April 2016

„Schande über dich!“ – Die Dresdner Schandmaske (Teil 1)


Im Zuge einer spannenden Recherche für einen Zeitungsartikel über Dresdner Geschichte "zum Gruseln" nahm die Journalistin Beate Erler im Mai 2014 mit mir Kontakt auf. Wir trafen uns an verschiedenen Stellen in der Dresdner Innenstadt. Scheinbar harmlose Pflastersteine oder Steinsockel entpuppten sich dann bei näherem Hinsehen beispielsweise als Reste eines berüchtigten Gefängnisses, in welchem viele der schlimmsten Verbrecher, die je die Schaubühne der Dresdner Stadtgeschichte betreten hatten, ihre Strafen verbüßten. Darunter Priestermörder, grausame Serientäter oder notorische Räuber.
Vor allem aber galt das Interesse der jungen Journalistin einer düsteren Besonderheit des mittelalterlichen Alltags: den Prangern, jenen entwürdigenden Ehrenstrafen, die auf öffentlichen Plätzen stattfanden.
Doch was würde sich tatsächlich an historischen Fällen in den alten Chroniken Dresdens finden lassen? Wie genau ging das alles vor sich – das Tragen der "Lästersteine", das Einsperren in das "Narrenhäuschen" auf dem Neumarkt vor der Frauenkirche oder das Abstrafen durch sogenannte "Schandmasken"?
Hier gab ich ihr einen Bericht an die Hand, den ich bei Theodor Grässe im "Sagenschatz des Königreiches Sachsen" von 1874 gefunden hatte. Diese mit Anekdoten prallgefüllte Sammlung war bei meinen eigenen Recherchen schon oft "Anstifterin" zu abenteuerlichen Entdeckungen gewesen – und das sollte in diesem speziellen Fall genauso werden …

Im Zusammenhang mit einigen kurfürstlichen Jagden im nahe gelegenen Heidewald war darin beispielsweise die Rede davon, dass die Bauern der Umgebung blaue Hüte zu tragen hatten, die nummeriert waren. Damit hatten sie sich dann am Wegesrand aufzustellen, damit die edlen Jagdgesellschaften die Orientierung im dichten Heidewald nicht verloren.
Als Bestrafung für Unwillige, die nicht als lebende "Wegemarkierungen" fungieren wollten, war das Tragen einer schweren eisernen Haube vorgesehen, die den ganzen Kopf bedeckte. Diese Eisenmaske hätte, so stand es geschrieben, nur zwei Löcher für die Augen und eine Öffnung für das Aufnehmen flüssiger Nahrung gehabt. Außerdem, so lautete es in dem brisanten Bericht, seien einem gewissen Philipp Hainhofer im Jahre 1629 wenigstens dreißig derartige "Schandmasken" im Jagdhause zu Dresden gezeigt worden.





Das brachte mich also zu der Frage: Wohin waren diese Strafrelikte verschwunden? Im Dresdner Stadtmuseum hatte ich nämlich noch keine derartige "Schandmaske" entdecken können. Daher riet ich Beate Erler zur Nachfrage beim Oberkonservator der Dresdner Rüstkammer.

Fortsetzung folgt …

Keine Kommentare: