Freitag, 15. April 2016

Wie auf Knopfdruck ins Mittelalter ...


Doch was wissen wir überhaupt über die Existenz derartiger "Angstlöcher"? Gestatten uns solche Verliese eventuell einen flüchtigen Blick in die grausige, bizarre und gewaltgeladene Welt der mittelalterlichen Rechtspraktiken, wo im Grunde nur der brachiale Schmerz oder die auf die Spitze getriebene Erniedrigung mit Strafmasken, Prangern und Schandtonnen als "Heilmittel" gegen Fehltritte galt? Und was ist dann eigentlich genau unter dieser sogenannten "Norm" zu verstehen, die von den gestrengen Gesetzeshütern jener Zeit so krampfhaft aufrechterhalten werden sollte?
Nüchtern formuliert, ist es schon immer "das Abweichen von der in der Gemeinschaft geltenden Norm" gewesen, die einen zum Außenseiter, zum Straftäter machte. 
So auch heute. Doch im Gegensatz zur heutigen Zeit kannte man im Mittelalter eben nur den Knochenbrecher-Knüppel oder die blutige Klinge eines Scharfrichterschwertes – oder eben dunkle Löcher mit Ungeziefer, Leichenteilen und Exkrementen darin.















Wie sich das anfühlte, wollten wir nun also am eigenen Leib erfahren. Wir, mein Bruder Maik und ich, denen man schon mal nachsagt, einen leichten Hang zum Widerwärtigen zu haben … Nun sollten wir also Zeugen dessen werden, was es bedeutet haben mochte, in einem stinkenden Felsloch vollkommen hilflos der Willkür einfältiger Wachleute ausgeliefert gewesen zu sein.

Schon auf den ersten Stufen ins dunkle Nichts schlug mir der typisch muffige Geruch alter Keller entgegen. Welche Luft würden wir hier unten wohl einatmen müssen? Die von verfaulten Aussätzigen etwa, die man einfach vergessen hatte? 

Mein Kopf tauchte unter die steinerne Decke – und wie auf Knopfdruck verschlug es mich ins finstere Mittelalter mit all seinem Dreck und seinen Abscheulichkeiten. 
Dicke, tiefschwarze Spinnen hingen an den feuchten Steinwänden. Ich wusste gar nicht, dass es in Deutschland derartig fette Spinnen gibt ... Wovon hatten die sich in den letzten Jahrhunderten bloß ernährt?
Ich ahnte es bereits. Aber noch waren es gut fünf Meter, bis ich unten angekommen sein würde.

Fortsetzung folgt … Logisch.

Keine Kommentare: