Freitag, 22. April 2016

Wir richten uns ein in der dunklen Tiefe ...


Eine der Urängste der Menschen ist die Furcht vor der Dunkelheit. Die ist uns angeboren. Von der Finsternis ging nie etwas Gutes aus. Hier lauerte Gefahr. Die Dunkelheit war das "Reich" der Mörder und üblen Kreaturen. Bereits in der germanischen Götterwelt herrschte eine schreckliche Frau namens Hel über das dunkle Totenreich. Sie war eine von drei abgrundtief hässlichen Abkömmlingen des listenreichen Gestaltenwandlers Loki mit einer Riesin. Wer nach Helheim kam, den erwartete eine finstere Welt des Nichts, des Stillstandes. Eine Rückkehr von dort war nicht vorgesehen.

Genau an solche Bilder mussten wir bei unserem kleinen Experiment auf Burg Lauenstein denken.


Die Menschen des Mittelalters glaubten an die Hölle. Für sie war das ein ganz reeller Ort zum Verbüßen schlimmster Taten. Und was konnte da noch schlimmer sein, als sogar schon hier im Diesseits eine Stätte zu finden, die so sehr der Vorstellung der Hölle entsprach wie ein "Angstloch" auf mittelalterlichen Burgen? Schenkt man den spärlichen Beschreibungen über Angstlöcher Glauben, dann trieb es die Menschen darin entweder schon bald in einen Angstwahn oder sie starben an Unterernährung und Unterkühlung.

Auf diese Spitze wollten wir unser kleines Abenteuer jedoch nicht treiben. Die Vorstellungskraft reichte uns hier vollkommen aus.
Für uns stellte sich stattdessen die Frage: Was billigen wir uns an kleinen Annehmlichkeiten zu, die wir mit nach unten nehmen konnten?
Heraus kam Folgendes: eine kleine Laterne mit Teelicht, ein Würfelbecher mit drei Würfeln, etwas zu beißen – und, als größter Luxusartikel, drei trockene Strohballen.

Unten angekommen, legte Maik das Stroh aus. Vorher musste allerdings für Rudolf (das Skelett) eine neue "Schlafstätte" gefunden werden, denn der machte sich auf der einzigen ebenen Fläche mächtig breit. Bisher konnte er das ja auch, er war ja schließlich immer alleine gewesen – doch in den nächsten 24 Stunden hatte er uns zur Gesellschaft. Hier unten im "Angstloch" von Burg Lauenstein, in fünf Metern Tiefe, direkt unter dem vergitterten Einstieg, wo ein permanenter Luftzug unsere Körper erschreckend schnell auskühlte …

Fortsetzung folgt …

Keine Kommentare: