Freitag, 13. Mai 2016

"Das Leben wird euch Masken zeigen" – Die Dresdner Schandmaske (Teil 4)


Ich setzte mich also voller Enthusiasmus an den Rechner und tippte mir meine Geistesblitze von der Seele. Denn für all meine bisherigen Experimente war eines immer der Schlüssel gewesen: die eigene Begeisterung. Leidenschaft, die anstecken sollte. Das gehörte schon immer zu meiner Vorstellung vom "Lernen". Das Zusammenspiel von Begreifen und einer damit verbundenen Emotion. Ich glaube, genau auf diese Weise wurden vor Jahrtausenden von den ersten "primitiven" Zweibeinern die nachhaltigsten Entdeckungen für die gesamte Menschheit gemacht.

Nach zwei Wochen wurde mein "Kurzroman" schließlich vom Oberkonservator der Dresdner Rüstkammer, Herrn Schuckelt, beantwortet. Recht nüchtern, wie ich feststellen musste. Vonseiten der Rüstkammer bestünde kein gesteigertes Interesse daran, dass von den weggeschlossenen Originalstücken Replikate angefertigt würden. Denn in der Vergangenheit wären manche als vermeintliche Originale für viel Geld in den Besitz von arglosen Museumsleitern übergegangen. Ich solle deshalb doch ein Foto als repräsentative Alternative auf meinen Stadttouren nutzen.

Wie bitte – ein Foto? Hatte ich das richtig gelesen? Oder anders: Hatte er überhaupt meinen Text gelesen?
Damit war die ganze Geschichte unspektakulär abgewürgt worden. Doch sollte ich mich mit diesem unerfreulichen Zustand wirklich zufrieden geben?

Eine kurze Rücksprache mit meinem Buchverleger Gerd Sobtzyk sowie auch mit meinem genialen Illustrator Thomas Zahn führten zu einem ganz ausgefallenen Lösungsansatz: TROTZ. Man könnte es auch als ein Dann-erst-recht-Bedürfnis bezeichnen. Denn die Idee, die wir verfolgten, war recht simpel: Die Dresdner Schandmaske sollte ihren Weg aus ihrer Holzkiste provokativ auf die Rückseite des Covers von Band 2 meiner Buchreihe "Dresden zum Gruseln" (erscheint Ende Mai 2016) finden, um so Dresdens einzige verbliebene Schandmaske doch noch einem größeren Kreis an Interessierten zugänglich zu machen. Innerhalb eines Jahres war "Dresden zum Gruseln" Band 1 etwa zehntausend Mal über den Ladentisch gegangen. Wenn sich nur die Hälfte der neuen zeitreisenden Anekdoten-Verschlinger Gedanken über diese Maske machen würde, dann hätte sich der kleine Einfall "gerechnet".

Ach ja, und ein Schmied scheint inzwischen doch in Aussicht zu sein, der sich der Arbeit an einem Replikat der Dresdner Schandmaske annehmen könnte. Und der wohnt gleich bei mir um die Ecke …


Sächsische Zeitung vom 6./7. Dezember 2014
















1 Kommentar:

KaratekaDD hat gesagt…

Die Idee des Blogs zum Buch ist doch toll. Es macht richtig Appetit.