Donnerstag, 5. Mai 2016

Die Dresdner Schandmaske - Teil 2


Und tatsächlich wurde man in der Dresdner Rüstkammer fündig …

Ein paar Tage vergingen, dann erhielt ich von der Journalistin Beate Erler eine weitergeleitete Nachricht. Diese stammte tatsächlich vom Oberkonservator der Rüstkammer, Herrn Holger Schuckelt. Darin klärte er auf: In den Wirren nach dem Zweiten Weltkrieg war die einzige noch in Dresden verbliebene Strafmaske versehentlich nach Berlin ans Deutsche Historische Museum gelangt. Erst 1990 fand sie ihren Weg nach Dresden zurück, doch leider bekam sie hier keinen geeigneten Platz im Stadtmuseum oder in der Rüstkammer, sondern verschwand – recht unspektakulär – in einem dunklen Depot. Dort fristete sie ihr unbemerktes Dasein unter der Inventarnummer P 348. So wie andere interessante Relikte aus der Strafgeschichte Dresdens ebenfalls, die es durchaus wert gewesen wären, sie einem wissbegierigen Publikum öffentlich zu zeigen. Das war fürs Erste ein ernüchternder Dämpfer …

In der Zwischenzeit hatte ich mir für meine Stadtrundgänge einen Nachbau einer Schandmaske aus gehärtetem Leder selbst angefertigt. Dafür musste der heimische Küchenherd zweckentfremdet werden.
Lederne Rüstungen, Kappen oder Lamellen wurden bereits bei den Germanen oder Kelten auf ganz ähnliche Weise hergestellt: Das Leder tauchte man in heißes, flüssiges Bienenwachs, schreckte es anschließend mit Eiswasser ab – und fertig. Das Ergebnis war ein dunkelbraunes, hartes Material, das sofort irgendwie nach Mittelalter aussah.
Bei "meiner" Strafmaske hing die Zunge als ordinärer roter "Lappen" weit heraus. Welches Vergehen sie damit darstellen sollte, war also offensichtlich: Verleumdung, Geschwätzigkeit, üble Nachrede. Das gefiel mir. Freiwillige und unfreiwillige "Opfer" während meiner Stadtrundgänge, die diese Maske aufsetzen mussten, fanden sich immer wieder. Notfalls würde ich mit sanftem Druck etwas nachhelfen, schließlich war ich als Geist des gemeuchelten Leibwächters der Dohnaer Burggrafen, Ritter Jonas Daniel, unterwegs. Der konnte sich so manche derbe Einlage erlauben.


















Doch die eiserne Dresdner Schandmaske ließ mir einfach keine Ruhe. Ein derartiges Unikat musste raus aus der Versenkung. Das war ja schon fast so etwas wie ein Bildungsauftrag.
Der Zufall spielte mir schließlich abermals in die Hände: Während des 30-jährigen Firmenjubiläums der bekannten Kunstschlosserei Zschiesche in Pillnitz (2013) sollte unsere Kampfsportschule (SaXenStreich) ein wenig kämpferisch aktiv werden. Und einige der dort geladenen Gäste waren Mitarbeiter der Rüstkammer. Daran musste ich plötzlich wieder denken. Also rief ich Thomas an und fragte ihn, ob er nicht Lust hätte, noch einmal den Kunstschmied aufzusuchen, um diesen für unser Projekt "Schandmaske" zu gewinnen.
Thomas sagte sofort zu und so klingelten wie eines Tages an der geheimnisvollen Werkstatttür der Kunstschlosserei. Bernhard Zschiesche empfing uns freundlich und es dauerte auch nur wenige Minuten, um ihn von unserem ungewöhnlichen Vorhaben zu überzeugen. Spontan bot er uns seine Unterstützung beim Nachbau der Dresdner Schandmaske an. Doch dann sollte ein erneuter Rückschlag unsere Geduld fordern …

Fortsetzung folgt ... 

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