Samstag, 7. Mai 2016

Mit Pranger, Schwert und Daumenschrauben - Die Dresdner Schandmaske (Teil 3)


Gesundheitliche Probleme legten das Schmiede-Vorhaben leider bis auf Weiteres erst mal auf Eis.

Inzwischen führte ich Gespräche mit der Museumsleiterin von Schloss Lauenstein, die für den Herbst 2015 einen Vortrag zum Thema "Strafrecht auf mittelalterlichen Burgen" plante und zum Glück mich ansprach. Ich verriet ihr, dass ich zusammen mit dem Dresdner Rechtsanwalt Michael Tempel ein kindgerechtes Programm entworfen hatte, das wir unter dem Titel "Alles was Recht ist!" bereits erfolgreich an Schulen gestalteten. Dabei handelte es sich natürlich um ein sehr interaktives Projekt, also eines, das von zahlreichen praktischen Handlungen lebte und mit diversen Überraschungen und Wendungen die Kinder aus der Reserve lockte.
Während ich nämlich als Abgesandter des Meißner Burggrafen auf der Suche nach fremdartigen Gegenständen war, die eventuell als "Zauberkram" einzustufen waren, konnte ich Kugelschreiber oder Radiergummis ohne jeglichen Besitzanspruch konfiszieren. Ich klärte natürlich auch darüber auf, dass das alles noch ein trauriges Nachspiel für den einen oder anderen hätte. Wie ernst ich das wirklich meinte, war den Kids allerdings nicht wirklich klar. Mit Schandbriefen, Daumenschrauben und manch anderem "Foltergerät" versuchte ich daher, die modernen Zeitreisenden "einzuschüchtern".
Als Gegenspieler hatte ich allerdings einen Rechtsanwalt aus der heutigen Zeit mit seiner schwarzen Robe und seinen dicken Gesetzesbüchern. Und schnell wurde den Kindern klar, dass sie sich nicht alles gefallen lassen mussten, dass es ein Recht für alle Menschen gab und dass sie als Schüler sogar im Vorteil waren, weil sie es lesen konnten.

Im Herbst 2015 startete ich schließlich zusammen mit Herrn Tempel die Vortragsreihe "Mit Pranger, Schwert und Daumenschrauben" im Türkensaal des Museums Lauenstein. Knapp 30 Besucher kamen und hörten mehr Überraschungen, als es ihnen vielleicht lieb war. Nun, das war genau so gewollt!
Und nach dem Vortrag stand für Museumsleiterin Frau Gelbrich fest: Ein Ausstellungsbereich ihres Hauses sollte sich in Zukunft mehr mit der Thematik Strafrecht auseinandersetzen. Gerade Lauenstein hatte hier durch die noch existierenden Verlies-Zellen aus dem 19. Jahrhundert einiges an Schauderhaftem zu bieten. An so mancher Zellenwand waren sogar noch Inschriften von Häftlingen zu lesen.

Ich half der Museumsleiterin beim Aussuchen der ersten Strafreliquie – einer Schandgeige. Das war ein Strafgerät, das wohl am ehesten der Vorstellung eines Prangers entsprach, den die meisten aus alten Mittelalterschinken kannten und dessen Darstellung sich trotzdem selten an die Realität hielt.




















Das nächste Strafrelikt, das sich das Museum zulegen wollte, sollte unbedingt eine Strafmaske bzw. eine Schandmaske werden. Aber eine authentische. Eine, die mit Geschichte(n) behaftet war. Eine, die einem irgendwie bedrohlich naherückte.
Unsere Wahl fiel auf ein originalgetreues Duplikat der einzigen in Dresden verbliebenen Schandmaske aus dem 16. Jahrhundert. Damit schloss sich der Kreis endlich wieder! Ein weiteres halbes Jahr musste also vergehen, bis ich genau wegen dieses Vorhabens abermals Kontakt zum Oberkonservator der Dresdner Rüstkammer suchte. Würde er mich bei meinem Vorhaben unterstützen?

Fortsetzung folgt ...
 

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