Sonntag, 4. September 2016

Der Dresdner "Schandesel"

Ich möchte mich heute noch einmal auf meinen Blog-Eintrag vom 9. August 2016 "Mit Schimpf und Schande" beziehen, denn da gibt es ja noch einen Bogen zu schlagen:

Auf dem berühmten Canaletto-Gemälde mit dem Jüdenhof im Vorder- und dem Neumarkt im Hintergrund, welcher durch die von den Preußen im Siebenjährigen Krieg (1756–1763) zerstörte Hauptwache bestimmt wird, sehen wir gleich zwei militärische Strafgeräte. Einen Kniegalgen ohne Galgenschlinge – und rechts daneben steht der sogenannte "Schandesel", der in vielen deutschen Städten vor den Polizeiwachen auftauchte, um Macht, Härte und Gesetz zu repräsentieren.

Schandesel Graz
Schandesel Frankfurt










 

Der mindestens 3 bis 3,50 Meter hohe Schandesel vom Dresdner Neumarkt war sehr aufwendig und handwerklich vortrefflich gefertigt. In anderen Städten sahen diese Prangergeräte weit weniger kunstfertig aus. Natürlich ging es dabei in erster Linie um eine empfindliche Strafe – das "Strafsitzen" bei Diebstählen oder Handgreiflichkeiten in den Wirtsstuben. Da war Schönheit von eher untergeordneter Bedeutung.

Dresdner Schandesel (Detail Canaletto)
Das scharfe Rückgrat des Schandesels sorgte für ein bisweilen komisch anmutendes Bild des darauf sitzenden "Reiters". Dieser rutschte unter Schmerzen immer wieder hin und her, da ihm die Blutzufuhr auf sehr schmerzhafte Weise abgequetscht wurde, ohne dass es für ihn irgendeine Möglichkeit gab, der stundenlangen Tortur zu entkommen.

Ich frage mich, ob es den Dresdner Schandesel noch gibt? Ob er irgendwo in einem verborgenen Museumsdepot sein Dasein fristet? Welche echten historischen Fälle mit diesem Prangergerät lassen sich eventuell auch noch finden?
Die Recherchen und Erkenntnisse dazu folgen demnächst.

 Euer Mario

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