Montag, 10. Oktober 2016

Schandesel – Teil 3

Wie kann man ein paar regnerische Tage in Prag verbringen, ohne dem Thema "Gerichtsbarkeit" untreu zu werden?
Ganz einfach – man taucht ins "Museum der Torturen" inmitten des Touristengewimmels ab und macht sich dort mit der abscheulichen Zeit des Richtens und Bestrafens vertraut. Einer Zeit, als es noch einen Hinrichtungsplatz direkt vor dem Prager Rathaus mit der berühmten Astronomischen Uhr gab.
Auf der Prager Burg wurde ebenfalls Geschichte geschrieben, denn hier residierte unter anderem Rudolf II., der bekannt war für seine extravaganten Sammlungen, die zum Teil recht morbide Züge trugen. Davon werde ich später gerne mehr berichten.
Die Recherchen zum Schandesel führten mich also in die tschechische Hauptstadt. Und hier – unweit der berühmten Karlsbrücke – konnte ich endlich eines der entwürdigenden Strafgeräte genauer begutachten. 

Die Kellergewölbe des schaurigen Museums führten mich buchstäblich in ein morbides Folteruniversum: Daumenschrauben, Mundbirnen, Fußfesseln, Schandmasken. Da wurde mit rostigen Ausstellungsstücken wirklich nicht gespart! Doch eine Erklärung, was genau mit all diesen Geräten gemacht wurde, blieb die Ausstellung dem Besucher schuldig. Nur wer einigermaßen mit den Praktiken des Bestrafens vertraut ist, bekam eine Ahnung davon.
Hinter einem Metallgitter, nur spärlich beleuchtet, sodass einem die Knie schon ein wenig weich werden konnten, stand das eher zart aussehende Tier. Einem Esel sicher nicht unähnlich, aber es hätte gut und gerne auch ein Reh sein können. Doch das scharfe Rückgrat zeigte deutlich seinen eigentlichen Verwendungszweck und beweist, dass das Bestrafen durch derartige Sitzpranger in vielen Großstädten im 17. Jahrhundert üblich zu sein schien.  Auf dem Boden lagen außerdem zwei Steine an Ketten, die eventuell an den Beinen des Delinquenten befestigt wurden, um die Schmerzen bei der Bestrafung zu erhöhen. 













Dort unten in den düsteren Kellergewölben verfestigte sich auf jeden Fall eine Idee: Der Dresdner Schandesel muss eine Renaissance erleben. Was genau ich damit meine, werde ich zu gegebener Zeit ausplaudern …

Euer Mario

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