Mittwoch, 14. Dezember 2016

Echt oder nicht?

Neue Entwicklungen betrafen in dieser Woche die Recherchen zu einer geheimnisvollen Handschrift des Dohnaer Pfarrherrn Nicolaus Blum, der im Jahre 1601 die Leichenpredigt für den am 9. Oktober des gleichen Jahres enthaupteten Kanzler Nikolaus Krell in der Dresdner Frauenkirche gehalten hatte. Vor allem auf Bestreben der noch sehr jungen Kurfürstenwitwe Sophie von Brandenburg wurde der von Kurfürst Christian I. von Sachsen ins Amt geholte Krell am Tag des Begräbnisses des Kurfürsten für zehn Jahre auf der Festung Königstein eingesperrt. Christian starb mit nur 30 Jahren, aber er hatte kurz vor seinem Ableben seinem Kanzler die Amtsgeschäfte übergeben.

Kanzler Nikolaus Krell (um 1550 bis 1601)
Doch interessierte das seine Frau?
Leider nein, wie wir heute zweifelsfrei wissen. Vor allem die Abschaffung der Teufelsaustreibung gleich nach der Geburt eines Kindes, die Krell als unsinnig abgeschafft hatte, war der Kurfürstenwitwe ein Dorn im Auge gewesen.

Die entdeckte Handschrift in Dohna wurde nun ein weiteres Mal unter die Lupe genommen. Gemeinsam mit Franz Neugebauer von der "Sütterlinstube" Dresden konnte ich auch Thilo Scala für ein Treffen gewinnen. Dieser hatte eine unglaubliche Fleißarbeit beim Übertragen des Buches geleistet. Jede einzelne Seite hatte er einscannen müssen, um die Buchstaben genau erkennen und übersetzen zu können.
Doch was wollten wir Neues herausfinden?
Nun, Bücher muss man vor allem in die Hand nehmen, um sich ein Urteil zu bilden. Farbe und Glanz der verwendeten Tinte, die Stärke des Papiers, der Schreibstil der Wörter – das alles ist unerlässlich für eine Überprüfung. Vor allem ein Wasserzeichen, das mein Bruder Maik auf zahlreichen Buchseiten entdeckt hatte, wurde interessant, weil es das sächsische Wappen zeigte.
Welche Papiermühle hatte diese Buchseiten hergestellt? Wann und wo? War dafür vielleicht sogar die Papiermacherdynastie Schaffhirt zuständig, die seit dem 16. Jahrhundert in Dresden in der Papiermühlengasse aus Lumpen Papier herstellte? Mit dem Ahnenforscher und Ururenkel des letzten Papiermachers, Thomas Schaffhirt, hatte ich deswegen vor einigen Wochen sogar Kontakt aufgenommen.

Schriftprofi Franz Neugebauer sah sich vor allem die Schrift genauer an. Denn nach wie vor ging es darum, ob wir es bei dem entdeckten Buch mit einer späteren Abschrift der Leichenpredigt Blums zu tun hatten oder ob vor uns vielleicht sogar genau jenes Manuskript lag, aus dem der Dohnaer Pfarrer am 10. Oktober 1601 in der Frauenkirche vorgetragen hatte. Diese Leichenpredigt hatte schieres Entsetzen bei den Glaubensanhängern Krells ausgelöst und viel religiösen Staub aufgewirbelt.

Ausschnitt der gefundenen Handschrift
Anhand des individuellen Schriftbildes und der Feinheiten konnte sich Franz Neugebauer ein erstes Bild machen.
"Das Buch wurde nicht in einem Zug durchgeschrieben", erkannte er. "Es weist unterschiedliche Tintenstärken auf. An einigen Stellen wurde etwas schneller geschrieben, dann schien der Schreiber auch einmal müde gewesen zu sein. Auf manchen Seiten hat er den zur Verfügung stehenden Platz falsch eingeschätzt und fing an, sehr gedrängt und schmal zu schreiben."
Die wenigen Korrekturen zeigten Franz aber vor allem eines: "Wir haben es hier mit einer sauberen Mitschrift zu tun, die wahrscheinlich zuvor von einem Konzept sozusagen ins Reine übertragen wurde."
Um dann als Vorlage für den zwei Jahre später erfolgten Druck zu dienen?
Vielleicht. Unsere "Ermittlungen" in dieser Sache sind also noch nicht abgeschlossen. Vor allem, da ganz unvermutet auch noch eine weitere interessante Lektüre über den durchaus umstrittenen Pfarrherrn aus Dohna auftauchte, nämlich das Protokoll eines Exorzismus aus dem Jahre 1605 in Pirna.
Daher – Fortsetzung folgt!


Bis dahin wünsche ich euch allen ein frohes Weihnachtsfest,

euer Mario

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