Donnerstag, 8. Dezember 2016

Viel mehr als ein Rechtsbuch ...

Eines der berühmtesten Bücher der deutschen Rechtsgeschichte gelangte in den Kriegswirren des Jahres 1945 auf abenteuerlichen Wegen mit Pferdewagen, Handwagen und sogar per Rucksack von Schloss Weesenstein im Müglitztal, wo es zum Schutz eingelagert worden war, zurück nach Dresden.

Um welch außerordentlich wertvolles Stück Geschichte es sich dabei handelte?

Um die Bilderhandschrift des "Sachsenspiegels" – des ersten deutschen Rechtsbuches und auch eines der ersten deutschen Prosawerke.
Verfasst wurde es von einem gewissen Eike von Repgow, der damit erstmals versuchte, das Recht der Sachsen aufzuzeichnen, zu systematisieren und zu vereinheitlichen. Bis dahin war Land- und Lehnrecht von Region zu Region aus dem Gewohnheitsrecht heraus unterschiedlich. Entstanden ist das Werk zwischen 1220 und 1230 und prägte die deutsche Rechtsprechung sowie das Verständnis für Recht und Unrecht maßgeblich.

Von den heute noch existierenden und extrem wertvollen vier Abschriften ist ausgerechnet das Dresdner Exemplar mit seinen 924 Bildstreifen auf 92 Blättern das mit Abstand wertvollste.
Seit dem 16. Jahrhundert ist der Prachtband in Dresden nachweisbar. Untergebracht und versteckt an den verschiedensten Orten – im Residenzschloss, im Zwinger, bis 1945 im Japanischen Palais und später in einer Kaserne in der Albertstadt –, könnte man meinen, man hätte nie den idealen Platz für diesen Schatz gefunden. Und nicht immer wurde das berühmte Zeugnis der deutschen Rechtsgeschichte dabei pfleglich behandelt. Ganz im Gegenteil: Es musste in all den kriegerischen Jahrhunderten Kanonen- und Bombenangriffen trotzen, widerstand Nässe in feuchten Kellergewölben, wo man es ganz und gar sicher wähnte, bis die Elbe bei Überschwemmungen ihr hässliches Gesicht zeigte. Die prächtig gemalten Seiten litten extrem und konnten nur immer wieder durch aufwendige Restaurationsarbeiten vor dem Verfall gerettet werden.

Bild: SLUB Dresden
Das Original des Dresdner "Sachsenspiegels" befindet sich heute in der Schatzkammer des Buchmuseums der SLUB und wird aus konservatorischen Gründen nur sechs Wochen im Jahr gezeigt. Aktuell ist er bis 9. Januar 2017, täglich von 10 bis 18 Uhr zu sehen.






 Euer Mario

Keine Kommentare: