Montag, 15. Mai 2017

Die Hinrichtung der Margaret Pole, 8. Countess of Salisbury

Wenn es sich ergibt, versuchen wir schon, bestimmte historische Daten in unserem Blog mit zu berücksichtigen. Daher möchte ich euch heute von einer Hinrichtung in England berichten, die sich am 27. Mai 1541 ereignete, sich also bald zum 476. Male jährt.
Bei Recherchen zu verschiedenen Gerichtsurteilen stoßen wir immer wieder auch auf schiefgegangene Hinrichtungen, gerade bei Enthauptungen mit dem Richtschwert. Bei einigen dieser Fälle handelte es sich vielleicht um ein absichtliches Fehlschlagen des Scharfrichters, ein sogenanntes „Butzen“ (wie im Fall der Helene Gillet (vgl. Mario Sempf „Vom Hängen und Würgen – Dresdens schaurige Geheimnisse“, Kapitel „Blutiges Desaster am Schafott“), oder vielleicht auch um übermotivierte oder sogar betrunkene „Meyster“. Wer weiß schon, dass Maria Stuarts Scharfrichter drei Schläge brauchte, um sie hinzurichten?


Ein besonders grausames Beispiel aus England habe ich bei meinen letzten Recherchen gefunden: Eine gewisse Margaret Pole, 8. Countess of Salisbury, fiel zu Zeiten Heinrich VIII. in Ungnade. Sie war in den Strudel der englischen Machtpolitik Heinrichs geraten und unterstützte dabei dessen Tochter Maria, deren Gouvernante sie war. Auch hatte sie selbst durch ihre familiäre Abstammung Anspruch auf den englischen Thron, was Margaret immer wieder zum Opfer von Intrigen machte.

In der späteren Regierungszeit Heinrich VIII. gipfelte der Widerstand ihres Sohnes Reginald Pole gegen den König in der Verhaftung Margarets und ihrer Familie. Ihr Sohn Henry Pole wurde im Verlauf der sogenannten „Exeter-Verschwörung“ hingerichtet. Margaret folgte ihm nach fast drei Jahren im Tower of London. Sie war zu diesem Zeitpunkt 68 Jahre alt. 

Am Morgen des 27. Mai 1541 wurde Margaret Pole zum Schafott auf dem East Smithfield Green innerhalb des Towers geführt. Trotz ihrer stetigen Unschuldsbeteuerungen wurde sie dort dem Scharfrichter übergeben.

Da sie eine Adlige war, wurde ihr eine private Hinrichtung gestattet, über die es zwei Berichte gibt. In dem einen soll der Scharfrichter – ein „elender, stümperhafter Junge, der ihren Kopf und ihre Schulter auf schrecklichste Weise buchstäblich in Stücke hackte“ – zuerst ihren Hals verfehlt und stattdessen die Schulter getroffen haben. Er hätte noch weitere zehn (!) Schläge gebraucht, um sie zu enthaupten. Die zweite Schrift gibt Auskunft, sie habe es zuerst noch geschafft, zu entkommen, wurde dann aber vom Scharfrichter eingefangen, vom Schafott herabgeworfen und anschließend gerichtet. In der Zahl der benötigten Schläge stimmen beide Berichte überein.



So endete eine der wahrscheinlich grausamsten Hinrichtungen der damaligen Zeit.

Euer Thomas

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