Montag, 5. Februar 2018

Fundstück Nummer 5: Darf ich bitten?

Dresden im Jahre 1385.
Mitten auf dem Altmarkt steht das Alte Rathaus. Es ist Dreh- und Angelpunkt des Dresdner Markttreibens und hier findet jedes Jahr der sächsische Adelstanz statt. Der Einladung jenes Jahres folgen auch die wohlhabenden Markgrafen von Meißen. Und natürlich lassen sich die Dohnaer Burggrafen dieses Spektakel ebenfalls nicht entgehen.
Doch an diesem Abend läuft alles irgendwie aus dem Ruder. Zwischen dem meißentreuen Ritter Körbitz und dem arroganten Frauenhelden Jeschke von Dohna entspinnt sich ein Streit, der schließlich sogar mit Fäusten ausgetragen wird. Schon kurz darauf belagern die Meißner Raufbolde das Anwesen der Burggrafen in Dohna. Jeschke gelingt die Flucht in den sicheren Burgfried. Andere Dohnaer Burggrafen haben da weniger Glück. Jan von Dohna wird in der Nähe von Burkhardswalde im Müglitztal gemeuchelt. Ein ihm gewidmetes Steinkreuz steht heute in den Gewölben von Schloss Weesenstein.
Die Meißner Söldner unter Führung des einäugigen Wilhelm I. lassen jedoch nicht nach. Gerade dieser schlimmste Haudrauf unter den Wettiner Rittern fährt schwerste Geschütze auf, um die verhassten Dohnaer Burggrafen aus dem Elbtal zu vertreiben. Seine Kampfeslust ist sagenhaft: Der Heilige Benno selbst soll ihm wegen seiner Streitigkeiten mit der Kirche im Traum erschienen sein und ihm ein Auge ausgestochen haben.
Und auch hier ist es so: Wilhelm gibt erst Ruhe, als die riesige Burg auf dem Felssporn in Dohna in Schutt und Asche liegt und im Jahre 1402 die letzten Machtkonkurrenten das Feld geräumt haben. Kaum einer von ihnen kommt mit heiler Haut davon. Eine Geschichte, die an Dramatik kaum zu überbieten ist.


Womit die Mittelalterburg einst beschossen wurde, kann man bis heute eindrücklich im Heimatmuseum Dohna sehen (derzeit leider wegen Umbaus geschlossen). Die hier ausgestellten riesigen Steinschleuderkugeln stammen wahrscheinlich von der oben erwähnten Dohnaer Fehde und wiegen gut und gerne zwanzig Kilogramm das Stück. Die verheerende Jahrhundertflut des Jahres 2002 hat diese schlimmen Zeitzeugen aus dem Flussbett der Müglitz geschwemmt


Thomas hat dennoch gut lachen – immerhin zählt er zu den Siegern. In einigen unserer geschichtsträchtigen Stadtrundgänge stellt er nämlich den kampfeslustigen Ritter Körbitz dar, während ich als niedergerungener Jeschke von Dohna die berühmt-berüchtigte A-Karte gezogen habe.
So läuft das eben mit der Geschichte …


Euer Mario