Montag, 26. Februar 2018

Fundstück Nummer 9: Über sieben Brücken?

Gestern machte ich mich bei schönstem Sonnenschein auf den Weg in die Innenstadt. Ich ging an der Elbe entlang bis zur Augustusbrücke, welche die historischen Kerne der Altstadt und der Neustadt (die bis ins 16. Jahrhundert die selbstständige Stadt Altendresden war) verbindet und über Jahrhunderte auch ein wichtiger Gerichtsort war. Ihr erinnert euch an die grausigen Geschichten rund ums "Säcken" von Kindsmörderinnen oder das Hände-Abhacken, wenn man im Mittelalter auf der Brücke Streit anfing? Dazu möchten wir in einem späteren Artikel auch noch einmal kommen ...
An der Brücke schaute ich mir gestern also den Fortschritt der Baumaßnahmen an. Da die Elbe derzeit nicht hoch steht, kann man die alten Fundamente der Vorgängerin der heutigen Brücke sehen, die ja mehrfach umgebaut und verbreitert wurde, um die Durchfahrt von Schiffen durch die Brückenbögen zu gewährleisten. Besonders auf der Neustädter Seite sind die alten Pfeiler 14, 15 und 16 als Fundament noch gut zu erkennen.

Bei meiner Besichtigung fiel mir auf dem Boden ein rostiger Gegenstand auf: eine alte Halteklammer, mit der man früher Sandsteine verband, um ein Verschieben derselben zu verhindern. Sie wurden in den Sandstein eingesetzt und mit Blei vergossen. Aus welcher Zeit die von mir gefundene Klammer wirklich stammt, kann ich nicht sagen. Zumindest lag sie genau an diesem alten Fundament. Sie scheint auch in die Löcher der dort noch gut erhaltenen Sandsteine zu passen, ist in der Mitte zwar stark zersetzt, aber das gekröpfte Ende ist gut erkennbar.


Ihr solltet euch wirklich einmal die Zeit nehmen, euch die Brückenbaustelle anzuschauen. Wenn man auf der provisorischen Fußgängerbrücke bis zum momentan abgebrochenen Brückenbogen auf der Altstädter Seite geht, schaut man genau auf die Reste des alten, schmalen Pfeilers Nummer 8 (gezählt nach der Nummerierung von Reinhard Spehr). Dieser ist als Fragment noch zu erkennen und man sieht dort sehr schön die frühere Bauart und Größe der Brücke.
Genau auf diesem Pfeiler stand bis 1541 auch eine Kapelle, die man „Alexiuskapelle“ nannte. Nach der Reformation wurde diese jedoch abgetragen und an der Stelle ein Zollhaus errichtet.

Euer Thomas