Mittwoch, 21. März 2018

Fundstück Nummer 12: Auf der Suche nach dem "Alten Rathaus"

Vergangene Woche besuchte ich mal wieder das Dresdner Stadtmuseum – das günstigerweise freitagnachmittags eintrittsfrei zu besichtigen ist. Ich hatte mir vorgenommen, das Modell des ältesten bekannten Dresdner Rathauses anzuschauen, welches ich für ein neues Projekt (immer schön neugierig bleiben!) zeichnen wollte.

Dieses Alte Rathaus wurde 1295 erstmals als "Kaufhaus" erwähnt und war – an der Nordwestecke des Altmarktes befindlich – ein zentraler Punkt für die Ausübung des städtischen Marktrechts. Alles Marktdienliche war dort integriert. In einem kleinen Anbau befanden sich die für den Handel wichtigen Gewichte und Maße, unter anderem der Dresdner Scheffel, ein kupferner Kessel an einer Kette zur Überprüfung des Eingekauften. Ab 1502 lässt sich dieser Scheffel übrigens an der Ecke der Großen Webergasse nachweisen, die seitdem Scheffelgasse heißt. Und um Marios Thema von vor zwei Wochen noch einmal aufzunehmen: Auch die Brot- und Brötchenmaße, an die sich die Dresdner Bäcker zu halten hatten, waren am Rathaus zu finden.
Es gab dort jedoch selbstverständlich auch eine große Ratsstube für Sitzungen und Amtshandlungen, aber auch Feste wie zum Beispiel Hochzeiten fanden im Rathaus statt. Dabei hatte man dann das Richtschwert des Dresdner Scharfrichters immer im Blick, das an der Wand hinter dem erhöhten Sitz des Bürgermeisters befestigt gewesen sein soll. Und wenn man in diesem Zusammenhang einmal darüber nachdenkt, dass im Mittelalter und der frühen Neuzeit auf Ehebruch die Todesstrafe durch das Schwert stand, bekommt der Hochzeitsspruch "Bis dass der Tod euch scheidet" auf einmal eine ganz andere Bedeutung ...
Illustration: Thomas Zahn
Das Rathaus war also nicht nur für den Marktbetrieb wichtig, sondern auch ein zentraler Ort der Gerichtbarkeit. Am Rathaus befand sich der Pranger, im Rathaus wurde Recht gesprochen, die Urteile verlesen und vollstreckt. Und auch die "peinlichen Befragungen" wurde hier durchgeführt. Laut Johann Christian Hasches "Umständlicher Beschreibung Dresdens" wäre im Dresdner Rathaus aber kein spezieller Raum dafür vorgesehen gewesen, sie seien davor abgehalten worden. Nachweise dafür haben wir jedoch noch nicht gefunden.

1707 wurde das erste Rathaus auf Wunsch August des Starken abgetragen, dieser war der Meinung, "das Rathaus enge den Platz ein und zerstöre dessen Eindruck". Als Rathaus wurde ab diesem Zeitpunkt das Altstädter Rathaus an der Westseite des Altmarktes genutzt, welches 1910 seinerseits den Titel "Altes Rathaus" erhielt.

Vielleicht noch diese kleine schaurige Ergänzung: Beim Abriss im Jahre 1707 tauchten in den Kellergemäuern einige Gerippe auf. Bei diesen handelte es sich wahrscheinlich um Menschen, die man in vorreformatorischer Zeit als Gotteslästerer dort eingemauert hatte.

Euer Thomas