Mittwoch, 6. Juni 2018

KW 23: Ein Nashorn in Dresden

Es war wirklich da. Mehrfach bin ich darauf gestoßen – und zwar immer dann, wenn ich nicht damit gerechnet hätte. Zum Beispiel bei der Betrachtung des monumentalen Asisi-Bildes "Dresden im Barock" im Dresdner Gasometer, auf dem es ebenfalls zu sehen ist. Aber auch im Zuge der Afrika-Reise von 1731, die August der Starke veranlasst hatte, spielten besonders die exotischen Tiere eine Rolle. Grund genug, um im heutigen Blog-Beitrag über Clara zu berichten.

Bild 1: "Clara in Paris", Jean-Baptiste Oudry, 1749
Clara war eines der ersten Nashörner, die die Reise nach Europa überlebten. Der niederländische Kaufmann Jan Albert Sichterman nahm das Tier 1738 in seinem Haus in Bengalen auf, nachdem die Mutter des Kleinen von indischen Jägern getötet worden war. Clara, wie er das Panzernashorn taufte, wurde schnell handzahm, aber eben als Schoßtier bald zu groß, und so verkaufte er sie 1741 an den Schiffskapitän Douwe Mout van der Meer, der mit ihr den Weg in die Niederlande antrat.

So war Clara drei Jahre alt, als sie den Hafen von Rotterdam erreichte. Und die Menschen jubelten – noch nie hatte man solch ein "Wunder-Thier" gesehen!
Die Massen waren so begeistert, dass der Hochseekapitän den Entschluss fasste, mit Clara durch Europa zu ziehen, von Wien bis in die Schweiz, von Frankreich nach Italien. In allen großen Städten wurde Clara nun gegen ein entsprechendes Entgelt gezeigt. Man mag sich gar nicht vorstellen, welch eine Tortur dies für ein Nashorn sein muss.

Im April 1747 erreichte Clara auch Dresden und wurde vom 5. bis 19. April jenes Jahres im Gasthof "Zum Goldenen Hirsch" vor dem Pirnaischen Tor (heute Pirnaischer Platz) vorgeführt. Ein interessierter Besucher der Nashorn-Schau war auch ein gewisser Johann Joachim Kändler, einer der bedeutendsten Modelleure der Porzellanmanufaktur Meissen, und so entstand, u. a. auch unter dem Einfluss der Afrika-Expeditionen jener Zeit, der Entwurf einer Figur des bekannten Nashorns aus "Weißem Gold".

Bild 2: "Clara in Venedig", Pietro Longhi, 1751
Nach diesem kurzen Halt in der sächsischen Metropole tourte Clara noch viele weitere Jahre durch ganz Europa – als Kapitän Van der Meers "Goldesel". Bis sie 1750 ihr Horn verlor, was die Einnahmen schmälerte, da das Publikum ja ein Tier MIT Horn sehen wollte.

Clara starb schließlich am 14. April 1758 ohne je wieder in Freiheit zu gelangen. Ein wirklich trauriges Schicksal.


Euer Thomas





 Quellenangaben Bild 1 und 2: https://de.wikipedia.org/wiki/Clara_(Nashorn)