Montag, 18. Juni 2018

KW 25: Schinden vs. Schinden

Unser heutiges "Fundstück" ist selbst gebaut, wobei wir die wichtigste Grundlage dafür doch "gefunden" haben – einen kleinen Leiterwagen.

Foto: Thomas Zahn
Aber der Reihe nach … 

Wir haben eine Einladung zur "Dresdner Schlössernacht" am 21. Juli 2018 erhalten, um unsere "düsteren" Geschichten dem heiteren Volke dort zum Besten zu geben. Das Besondere dabei ist: Wir sind nicht auf einer Bühne oder an einem Stand zu finden, sondern wir mischen uns richtiggehend unters Publikum, was für einen Scharfrichter doch eher selten ist.
Falls die Kehlen unserer Zuhörer (oder die unseren) von den schaurigen Anekdoten trocken werden sollten, halten wir zur Verköstigung einen sehr leckeren Rhabarber-Honig-Wein der "Braumanufaktur Radebeul" bereit. Und daher ahnten wir schon jetzt, dass wir transportmäßig ein Problem bekommen könnten. Es geht ja nicht nur um den Wein, sondern auch um unsere Anschauungs- und Probiergeräte wie die Halsgeige, die Handschellen oder die Daumenschrauben. Ein Karren wäre gut, dachten wir. Und nun "schinde" ich mich eben, einen solchen zu bauen – einen Schinderkarren.

T. Rowlandson: "A Dead Horse on a Knacker's Cart" (gemeinfrei, Wikipedia)













Das Wort "schinden" ist noch heute oft im Sprachgebrauch zu finden und heißt eigentlich nichts anderes als "enthäuten" (althochdeutsch "scinten", mittelhochdeutsch "schinden" = "enthäuten", im Mittelhochdeutschen auch schon "quälen"). Der "Schinder" war der Abdecker (auch genannt Fallmeister, Feldmeister, Freiknecht, Kafiller oder Wasenmeister) und seine Aufgabe war das Beseitigen und Verwerten des toten Viehs. Um dieses einzusammeln, brauchte er einen Wagen, da seine Arbeitsstätte ja außerhalb der Stadt lag – eben einen "Schinderkarren".
Durch den Bezug zu dieser ehrlosen Tätigkeit wurde der Schinderkarren ebenfalls dazu benutzt, um Verurteilte zum Hinrichtungsplatz zu schaffen. Mit großem Schauwert und der entsprechenden öffentlichen Zurschaustellung wurde der Schinderkarren ein schauriger Teil solcher Prozessionen, indem beispielsweise – wie in Dresden ebenfalls geschehen – der auf dem Wagen befindliche Delinquent nicht nur einfach saß, stand oder lag, sondern sogar manchmal zur Strafverschärfung auf dem Weg zum Schafott "mit Zangen gezwickt" wurde (mit glühenden Zangen wurden ihm Fleischstücke herausgerissen).


Foto: Thomas Zahn
Aber keine Angst – so weit wollen wir es während der "Dresdner Schlössernacht" natürlich nicht treiben. Unser Schinderkarren dient eher der Präsentation unserer Bücher – und, wie schon beschrieben, zum Wein-Ausschank.
Seid also gespannt! Wir freuen uns, euch am 21. Juli zu sehen.

Euer Thomas
(der "Scharfrichter von Dresden")