Mittwoch, 25. Juli 2018

KW 30: "Wenn du mich siehst, dann weine"

Dresden stöhnt unter der derzeitigen Trockenheit und der Elbepegel fällt und fällt. Wer heute am Elbufer spazieren geht, den erwartet ein eher trostloser Anblick. Der stolze Strom, wo ist er? Und wo sich sonst am Wochenende zahlreiche Familien mit Kindern an der Prießnitz-Mündung zum Baden treffen, kann man derzeit froh sein, wenn wenigstens noch die Füße nass werden.
Aber es ist nicht das erste Mal, dass die Elbe einen solch niedrigen Stand erreicht hat. Bei uns habt ihr ja schon einmal über die sogenannten "Hungersteine" gelesen, die man auch jetzt wieder sehen kann.

Hungersteine sind bei Niedrigwasser im Flussbett sichtbar werdende große Steine. Sie weisen auf die großen Gefahren von Hungersnöten hin, die mit diesen Dürrezeiten in Verbindung stehen. Hungersteine sind daher oft mit Jahreszahlen oder Inschriften versehen, um an solche Niedrigwässer zu erinnern. Der Hungerstein im tschechischen Děčín ist dabei einer der ältesten an der Elbe. Die älteste lesbare Inschrift auf dem Stein stammt von 1616. Ältere Inschriften (1417, 1473) sind im Laufe der Zeit verschwunden.


Aber nicht immer stellten die niedrigen Wasserstände der Elbe für alle Menschen vordergründig ein Problem dar. Im Jahr 1904 zum Beispiel führte der Fluss so wenig kühlendes Nass, dass es in Dresden zu einem regelrechten "Goldrausch" kam. Viele suchten in dem flachen Wasser nach dem glänzenden Metall. Nicht umsonst wurde die Elbe einst "Albis", die Glänzende, genannt. 
Und noch heute lohnt es sich, sich die Steine am Elbufer etwas genauer zu betrachten, denn mit etwas Glück findet man darunter Achate oder sogar Amethyste.

Euer Thomas



Bildquellen:
https://de.wikipedia.org/w/index.php?curid=581138
https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Tiefstand1904.jpg#/media/File:Tiefstand1904.jpg

Montag, 16. Juli 2018

KW 29: Blumiges und Schauriges vom Bollerwagen

Bei der 10. Dresdner Schlössernacht ist erstmals Literatur zu erleben: Poetry-Slam und historische Dresdner Schauergeschichten

Bei der 10. Dresdner Schlössernacht kann man erstmals auch einen kurzweiligen Ausflug in die Literatur erleben. Drei Poetry-Slammer sind mit dem Bollerwagen unterwegs und servieren blumige Prosa auf den Wegen. Parallel unterhält ein mittelalterliches Trio die Passanten und präsentiert schaurige Geschichten aus dem historischen Dresden. Die literarischen Programmpunkte auf der Schlössernacht werden durch Schloss Albrechtsberg unterstützt. Das Schloss möchte damit auch Appetit machen auf die Veranstaltung "Dresden (er)lesen" am 9. September.

Am 21. Juli kann man die Poetry-Slammer vor allem rund um das Lingnerschloss erleben. Kaddi Cutz – amtierende Stadtmeisterin im Poetry Slam –, David Klein und Felix Kaden lauern am Wegesrand und überschütten das geneigte Publikum mit einem üppigen Bouquet aus Poesie, Charme und Wortwitz. Vielleicht wird es keine roten Rosen regnen, ein paar Stilblüten hat das poetische Trio Infernale aber immer im Gepäck. Und weil sie am Ende doch das große Publikum lieben, machen die drei um 19.45 Uhr und 21.45 Uhr halt auf der Bühne Lingnerschloss-Südseite.

Den schaurigen Geschichten aus dem historischen Dresden kann man um 19.45 Uhr und 21.15 Uhr auf der Bühne im Gourmetgarten lauschen. Vorab, zwischendurch und hinterher sind Ritter Jonas Daniel (Mario Sempf), Hexe Heidine Wiedemann (Katharina Salomo) und der Dresdner Scharfrichter Melchior Wahl (Thomas Zahn) mit dem "Schinderkarren" unterwegs und laden die Gäste auf eine schaurig-schöne "Zeitreise" ins mittelalterliche Dresden ein und lassen staunen und erschauern zugleich.
Die Dresdner Schlössernacht findet am 21. Juli bereits zum 10. Mal statt und verwandelt die Parkanlagen von Schloss Albrechtsberg, Lingnerschloss, Schloss Eckberg und der Saloppe in eine Kulturlandschaft mit 16 Bühnen und Spielstätten.

Pressetext: Sabine Mutschke
Logo: Dresdner Schlössernacht
Schinderkarren: gebaut von Thomas Zahn
Foto Schinderkarren: Katharina Salomo 

 

Donnerstag, 12. Juli 2018

KW 28: Rund um die Saloppe

Auf unser heutiges "Fundstück der Woche" bin ich durch die Vorbereitungen auf die diesjährige Dresdner Schlössernacht gestoßen. Am 21. Juli werden wir als "fahrendes Volk" mit kürzlich hier im Blog erwähntem Schinderkarren auf den Plätzen und Wegen rund um die drei Elbschlösser unterwegs sein und möchten natürlich auch Geschichten erzählen, die dort in der Nähe stattgefunden haben.
Ich selbst habe dabei so etwas wie Heimvorteil, denn genau hier habe ich meine Kindheit verbracht.

Saloppe, Bild von Johann Carl August Richter um 1850
Mein Vater arbeitete im Wasserwerk Saloppe und so zogen wir in eine Betriebswohnung in der Brockhausstraße. Damals wusste ich natürlich noch nichts von meiner geschichtsträchtigen neuen Umgebung. Erst später, als ich mich mit Mario dem Thema Stadtgeschichte zuwandte, habe ich es bereut, als Kind nicht noch genauer hingeschaut zu haben.
Eingeengt zwischen der damaligen Bezirksverwaltung der Stasi und dem "Pionierpalast" lag die "Brocki", wie wir Kinder sie nannten, wie ein kleines Tal am Eisenbornbach. Zum Spielen und Entdecken war reichlich Platz im "Grund", und so stromerten wir öfter durch die Gegend. Dabei stießen wir auf die interessantesten Dinge. Unten, kurz vor dem Wasserfall, überspannte ein Brücke den Bach und es gab zudem ein merkwürdiges Gebäude mit Säulen und einer seltsamen steinernen Schlange. Auch fanden wir so etwas wie Grab- oder Gedenkplatten sowie etliche steinerne Statuen. Leider ist später alles verfallen, gestohlen oder zugeschüttet worden.

Älter geworden, fand ich wirklich Erstaunliches über diesen Ort heraus: Das Land gehörte im 18. Jahrhundert einem Mann namens James Ogilvy, 7. Earl of Findlater. Er war in schottischer Adliger, der aufgrund seiner homosexuellen Neigungen in Schottland verfolgt wurde und seine Heimat verlassen musste. Er kaufte sich in Dresden mehrere Weinbergsgrundstücke am Elbhang, auf denen er sich von dem Architekten und Hofbaumeister Johann August Giesel ein Palais errichten ließ. Auf den Grundmauern dieses Palais, dessen Fertigstellung Ogilvy leider nicht mehr erlebte, wurde später Schloss Albrechtsberg errichtet.
Nach Findlaters Tod übernahm sein Lebenspartner das Palais, beschloss aber, dieses und auch die Weinberge zu verkaufen. So erwarb der Hofrat Theodor Winkler (1735–1856) das Grundstück und baute sich hier ein Sommerhaus. 1847 kaufte Heinrich Brockhaus – sehr zum Unwillen der Ehefrau Theodor Winklers – diesen Besitz und bis 1993 behielten ihn auch Brockhaus’ Nachkommen.

Brockhaus erweiterte den Bereich des „Grundes“ und ließ einen romantischen Park anlegen. Es gab einen Gondelteich, zahlreiche Statuen, die den Eisenbornbach schmückten, Brunnen und Wasserspiele und auch einen Kutschweg. Ein Kleinod, das natürlich zahlreiche Gäste und prominente Besucher anzog, u. a. Richard Wagner, Christian Gottfried Körner, E.T.A. Hoffmann oder Friedrich Schiller.
Und auch ich durfte dort meine Kindheit verbringen. Ich kann mich eigentlich glücklich schätzen.

Wer mehr erfahren möchte, kann uns im Rahmen der 10. Dresdner Schlössernacht live erleben. Rund um die drei Elbschlösser flanieren wir auf den Wegen und werden euch mit unseren Geschichten unterhalten. Um 19.45 Uhr und 21.15 Uhr freuen wir uns zudem, euch im "Gourmetgarten" begrüßen zu dürfen.



Bis dahin und viele liebe Grüße von 
Thomas