Donnerstag, 12. Juli 2018

KW 28: Rund um die Saloppe

Auf unser heutiges "Fundstück der Woche" bin ich durch die Vorbereitungen auf die diesjährige Dresdner Schlössernacht gestoßen. Am 21. Juli werden wir als "fahrendes Volk" mit kürzlich hier im Blog erwähntem Schinderkarren auf den Plätzen und Wegen rund um die drei Elbschlösser unterwegs sein und möchten natürlich auch Geschichten erzählen, die dort in der Nähe stattgefunden haben.
Ich selbst habe dabei so etwas wie Heimvorteil, denn genau hier habe ich meine Kindheit verbracht.

Saloppe, Bild von Johann Carl August Richter um 1850
Mein Vater arbeitete im Wasserwerk Saloppe und so zogen wir in eine Betriebswohnung in der Brockhausstraße. Damals wusste ich natürlich noch nichts von meiner geschichtsträchtigen neuen Umgebung. Erst später, als ich mich mit Mario dem Thema Stadtgeschichte zuwandte, habe ich es bereut, als Kind nicht noch genauer hingeschaut zu haben.
Eingeengt zwischen der damaligen Bezirksverwaltung der Stasi und dem "Pionierpalast" lag die "Brocki", wie wir Kinder sie nannten, wie ein kleines Tal am Eisenbornbach. Zum Spielen und Entdecken war reichlich Platz im "Grund", und so stromerten wir öfter durch die Gegend. Dabei stießen wir auf die interessantesten Dinge. Unten, kurz vor dem Wasserfall, überspannte ein Brücke den Bach und es gab zudem ein merkwürdiges Gebäude mit Säulen und einer seltsamen steinernen Schlange. Auch fanden wir so etwas wie Grab- oder Gedenkplatten sowie etliche steinerne Statuen. Leider ist später alles verfallen, gestohlen oder zugeschüttet worden.

Älter geworden, fand ich wirklich Erstaunliches über diesen Ort heraus: Das Land gehörte im 18. Jahrhundert einem Mann namens James Ogilvy, 7. Earl of Findlater. Er war in schottischer Adliger, der aufgrund seiner homosexuellen Neigungen in Schottland verfolgt wurde und seine Heimat verlassen musste. Er kaufte sich in Dresden mehrere Weinbergsgrundstücke am Elbhang, auf denen er sich von dem Architekten und Hofbaumeister Johann August Giesel ein Palais errichten ließ. Auf den Grundmauern dieses Palais, dessen Fertigstellung Ogilvy leider nicht mehr erlebte, wurde später Schloss Albrechtsberg errichtet.
Nach Findlaters Tod übernahm sein Lebenspartner das Palais, beschloss aber, dieses und auch die Weinberge zu verkaufen. So erwarb der Hofrat Theodor Winkler (1735–1856) das Grundstück und baute sich hier ein Sommerhaus. 1847 kaufte Heinrich Brockhaus – sehr zum Unwillen der Ehefrau Theodor Winklers – diesen Besitz und bis 1993 behielten ihn auch Brockhaus’ Nachkommen.

Brockhaus erweiterte den Bereich des „Grundes“ und ließ einen romantischen Park anlegen. Es gab einen Gondelteich, zahlreiche Statuen, die den Eisenbornbach schmückten, Brunnen und Wasserspiele und auch einen Kutschweg. Ein Kleinod, das natürlich zahlreiche Gäste und prominente Besucher anzog, u. a. Richard Wagner, Christian Gottfried Körner, E.T.A. Hoffmann oder Friedrich Schiller.
Und auch ich durfte dort meine Kindheit verbringen. Ich kann mich eigentlich glücklich schätzen.

Wer mehr erfahren möchte, kann uns im Rahmen der 10. Dresdner Schlössernacht live erleben. Rund um die drei Elbschlösser flanieren wir auf den Wegen und werden euch mit unseren Geschichten unterhalten. Um 19.45 Uhr und 21.15 Uhr freuen wir uns zudem, euch im "Gourmetgarten" begrüßen zu dürfen.



Bis dahin und viele liebe Grüße von 
Thomas