Donnerstag, 2. August 2018

KW 31: Ebbe an der Elbe

Es ist so weit – das Flussbett der Prießnitz ist trocken, und auch die Schifffahrt auf der Elbe ist wegen des extremen Niedrigwassers eingestellt worden. Die "Weiße Flotte", die älteste und größte Raddampfer-Flotte der Welt (1836 gegründet) und ein Wahrzeichen Dresdens, muss am Ufer bleiben. Was für ein touristischer und wirtschaftlicher Schaden für die Stadt, wenn sich die Schaufelräder nicht im Wasser drehen!

Wasser benötigte man schon immer für eine Bewirtschaftung des Flusses. Früher gab es rund um Dresden Gemeinden, die ganz wesentlich von der Elbe lebten, unter anderem der heutige Stadtteil Loschwitz. Hier waren es die sogenannten Treidler oder Bomätscher, welche seit dem Mittelalter Schiffe mit Seilen und Muskelkraft die Elbe entlang brachten – in der Regel stromaufwärts. Der Pfad, den die Schiffszieher dabei nutzten, wurde Treidelpfad oder Bomätscherpfad genannt. Diesen kann man auch heute noch am Ufer der Elbe gut erkennen. Große Stahlringe zeugen zudem von dieser harten und gefährlichen Arbeit, denn wenn man nicht achtgab, konnte man leicht in die Fluten gerissen werden und dort ertrinken. 

Sandsteinrelief "Treidler" (Edmund Moeller) an der Albertbrücke, Foto: privat


Das Aufkommen der Dampfkraft im 19. Jahrhundert veränderte die Situation an den Flüssen jedoch schnell. Bei der Binnenschifffahrt begann man mit der Ketten- und Seilschifffahrt, hier zog sich der Schlepper an einer Kette oder einem Seil vorwärts, hinter sich bis zu zehn Lastkähne. Später zogen Radschleppdampfer die Kähne. So wurde der Berufsstand der Treidler immer mehr zurückgedrängt und innerhalb nur weniger Jahre völlig bedeutungslos. So mancher Bomätscher soll daher aus Frust Steine auf die neuen Schiffe geworfen haben, die ihn um seine Existenz brachten. 

Kettendampfer auf der Elbe bei Dresden, Paul Hendel 1882

Doch auch ein Treideln wäre unter den heutigen Bedingungen nicht möglich gewesen. Hoffen wir daher, dass es bald wieder ausgiebig regnet. Das wäre nicht nur für die Schifffahrt gut, sondern würde zudem die Situation der Dresdner Wasserwerke entspannen, die auch in diesen Dürrezeiten für ausreichend kühles Nass sorgen.

Mehr über die Wasserversorgung in Dresden seit dem Mittelalter erfahrt ihr in der nächsten Woche.

Bleibt gespannt,

euer Thomas